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Lorin Rowan
Rebel Sons

katalog-nr. tx 3013
country / folk - 1999

lineup
track listing

Pathways of the Heart (129K)
My Father's Son (79K)
Circle of Friends (80K)

Es gibt Künstler, die erst nach Jahrzehnten zu ihrem eigenen, persönlichen Ausdruck finden. In jungen Jahren fangen sie an, bekommen ihre Chance, sind vielleicht nicht vom Erfolg verwöhnt, machen weiter, tauchen wieder ab und plötzlich kommt von ihnen ein Album, in dem das Auf und Ab dieser langen Karriere kulminiert; in dem alles steckt, was einen künstlerisch und menschlich gereiften Musiker ausmachen kann. Lorin Rowan ist solch ein Musiker und REBEL SONS ist solch ein Album. Der Name "Rowan" ruft natürlich für Kenner der US-amerikanischen Roots-Szene mannigfaltige Assoziationen wach wir rekapitulieren:
Zusammen mit seinen älteren Brüdern Peter und Chris wächst Lorin Rowan in Wayland, Massachusetts auf. Zwanzig Meilen westlich von Boston ist das Leben beschaulich und wohlgeordnet, für die Familie Rowan ist Musik "die schönste Nebensache der Welt". Vater Rowan singt in College- und Kirchenchören, man mag die Unterhaltungsmusik der Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg. Trotz allem ist die Überraschung groß, als alle drei Söhne sich im Laufe der Zeit für das Leben als professioneller Musiker entscheiden...
Die Entwicklung ist für Amerikaner der "Baby-Boom-Generation" typisch. Stufe 1: der Rock'n'Roll bricht in Gestalt von Elvis Presley oder Buddy Holly mit Macht in die wohlgeordnete Langeweile braver Mittelständler ein. Elterliche Visionen einer traditionellen Ausrichtung zwischen konventioneller Karriere und Familie werden erbarmungslos untergraben. Stufe 2: die Beatles, Beach Boys, Bob Dylan und The Band verkörpern die Utopie eines Aufbruchs in eine Existenz geprägt von jugendlicher Energie und intellektueller Befreiung bei gleichzeitiger Verbindung zur philosophischen Welt US-amerikanischer Mythen. Die Gegenkultur bricht ein in die biedere Welt weißer Kleinfamilien. So ist es auch im Hause Rowan. Lorin pendelt geschmacklich zwischen der Harmonieseligkeit des Kingston Trios und der Everly Brothers einerseits und der brillianten Schärfe Bob Dylans andererseits, Peter Rowan ist früh fasziniert von authentischer Bluegrass-Virtuosität. Stufe 3: mit ihren ersten High School-Bands covern die Gebrüder Rowan das Repertoire der Ventures und British Invasion-Bands wie den Kinks oder Zombies. Und schon nach Abschluß der High School formieren sich die gutaussehenden Brüder Chris und Lorin als The Rowan Brothers zu einem akustischen Folk-Pop-Duo, dem es gelingt, einen Deal für ein Album bei Columbia zu ergattern. Peter Rowan's ex-Partner aus der Band Earth Opera soll produzieren: es ist natürlich niemand anderes als David Grisman.
Der weitere Weg ist klar: man siedelt um nach Marin County, CA, und lernt dort Grisman's alten Bluegrass-Kumpel Jerry Garcia kennen, der 1972 - zusammen mit Assen wie Jim Keltner, Bill Kreutzman, Buddy Emmons oder Richard Greene ebenfalls auf der ersten Rowan Brothers-LP spielt. 1980 sollte das italienische Appaloosa-Label im übrigen die 1971er Studio-Sessions von Chris & Lorin Rowan mit Garcia & Co. unter dem Titel Livin' The Life veröffentlichen. Einer der ersten Gigs der Band: Vorprogramm für die Grateful Dead am letzten Abend von Bill Graham's Fillmore West....
Die nächste Station ist Warner/Asylum. Peter Rowan stößt zu seinen Brüdern und gemeinsam veröffentlicht man als "The Rowans" drei LPs: "The Rowans" (1975), "Sibling Rivalry" (1976) und "Jubilation" (1977). Ersteres ist ein herausragender künstlerischer Erfolg. Man hört erstklassige Gesangsätze in Crosby-Stills-Nash/Poco-Manier, gute Kompositionen und vielschichtige Gitarrenarrangements, die an Esprit nichts zu wünschen übrig lassen. Die Folgealben sind weniger konsequent. Der Druck, den optischen Pop-Appeal der Brüder auch mit den entsprechenden Sounds zu unterstützen, resultiert in zum Teil völlig fehlgeleiteten Mainstream-Ansätzen. Das Ende der Rowans als brüderliches Pop-Trio ist abzusehen. Erst 1994 wird man sich zu einer Reunion CD mit akustischer Roots-Musik wieder zusammenfinden. Peter Rowan wird zu einem der herausragenden Bluegrass-Künstler der USA. Lorin Rowan bleibt in der Rock-Szene der Bay Area. In den achtziger Jahren gründet er den Wave-Erfordernissen jener Jahre entsprechend die Rock-Reggaeband "The Edge" mit Hardrock-Gitarrenass Ozzie Ahlers und ex-Jesse Colin Young-Drummer Jeff Myer. "The Edge" sind Stammgäste auf lokalen Club-Bühnen. Plattenveröffentlichungen auf Indie-Labels ergänzen Lorin's Live-Aktivitäten. Überregional allerdings tut sich nicht viel. Doch Lorin Rowan macht weiter - als Mensch und Musiker gereift. Mit einer ersten Solo-CD "My Father's Son" auf dem audiophil orientierten Kleinstlabel Black Dahlia Music präsentiert er stark autobiographisch gefärbten Folk-Rock mit einer Band, die in jeder Hinsicht überzeugt. Keine Spur mehr vom Zuckerguß der späteren Asylum-LPs oder der Gratwanderung zwischen Pop-und Roots-Appeal. Der Zeiger pulsiert hier nur noch im Roots-Bereich und die geschmackssicher arrangierten neuen Songs künden von einem neuen künstlerischen Selbstbewußtsein. REBEL SONS - seine erste Produktion für TAXIM ist die konsequente Fortführung dieses Ansatzes mit leicht veränderten Mitteln.
Mit Ex-Clover Alex Call hat Lorin Rowan auf REBEL SONS einen kongenialen Mitstreiter und Co-Autor, dessen eigenes Songwriter-Talent für eingängige Hooklines die ideale Ergänzung zu Rowans eher introvertierter lyrischer Ausrichtung darstellt. Lorin Rowan selbst präsentiert sich hier als Multi-Instrumentalist auf einem ausgesuchten Dutzend Gitarren sowie Mandoline, Bass, Piano, Keyboards und Drums. Nur partiell unterstützt von Freunden wie Alex Call und Jeff Myer, ist dies im wesentlichen ein vokaler und instrumentaler Alleingang eines im übrigen immer noch gut aussehenden Musikers, der nun endlich auf dem Gipfel seiner Kreativität angelangt zu sein scheint. Mit reflektierenden Songs wie "My Father's Son", "Rebel Sons", "Circle Of Friends" oder "Something to Believe In" braucht Lorin Rowan keinerlei Vergleiche zu anderen Roots-Songwritern zu scheuen. Als Westcoast-Musiker seiner Generation mag er natürlich noch immer kunstvolle Harmony Vocals und Wohlklang, doch erst jetzt haben seine Songs Tiefe und eine Ausdruckskraft, die seinen handwerklichen Fähigkeiten entspricht. Lorin Rowans künstlerische Reife manifestiert sich auf REBEL SONS auf individuelle, beeindruckende Art und Weise.


lineup


track listing

  1. Pathways of the Heart (Lorin Rowan) 3:13
  2. Walls of Avignon (Lorin Rowan) 5:41
  3. My Father's Son (Lorin Rowan/Peter Rowan) 4:51
  4. Winkleman's Farm (Lorin Rowan/Alex Call) 4:50
  5. Saving Grace (Lorin Rowan/Alex Call) 3:48
  6. Easy Does It (Lorin Rowan/Alex Call) 3:32
  7. Circle of Friends (Lorin Rowan/Alex Call) 3:25
  8. Wetlands (Lorin Rowan) 1:45
  9. Wallowa Valley (Lorin Rowan) 6:28
  10. Deal with the Devil (Lorin Rowan/Peter Rowan) 4:20
  11. Rebel Sons (Lorin Rowan/Chris Rowan) 4:19
  12. Somethin' to Believe In (Lorin Rowan) 4:54
  13. Cornerstone (Lorin Rowan/Alex Call) 6:00



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